ECR 2026: Wien im Licht der «Rays of Knowledge»
Marco Budin
Innovation, internationale Vernetzung und Schweizer Präsenz auf höchstem Niveau: Der European Congress of Radiology (ECR) 2026 Anfang März in Wien stand im Zeichen der «Rays of Knowledge». Mit Rekordzahlen bei den Abstracts, wegweisenden Technologien und einer Kongresspräsidentin aus der Schweiz wurde Wien einmal mehr zum globalen Treffpunkt der medizinischen Bildgebung.
Der European Congress of Radiology (ECR) gehört seit Jahren zu den wichtigsten internationalen Plattformen der medizinischen Bildgebung und wird von der European Society of Radiology (ESR) organisiert. Die Ausgabe 2026, die vom 4. bis 8. März in Wien stattfand, setzte dabei neue Massstäbe: Mit 11 376 eingereichten Abstracts wurde ein historischer Rekord erreicht, ein Anstieg von rund 15 % gegenüber dem Vorjahr.
Für Fachpersonen der Radiologie ist der Kongress weit mehr als ein Fortbildungsanlass. Der ECR fungiert als zentrale Drehscheibe der europäischen Radiologie: Hier präsentieren internationale Hersteller:innen ihre neuesten Technologien und setzen Trends, die den klinischen Alltag in den kommenden Jahren prägen werden. Die Teilnahme bedeutet daher nicht nur, Innovationen zu beobachten, sondern auch die Entwicklung des eigenen Berufes aktiv mitzugestalten. Für die SVMTR bietet der Kongress zudem eine wichtige Plattform für Sichtbarkeit, fachlichen Austausch und internationale Vernetzung.
Symbolik des Kongressmottos
Der Kongress stand unter dem Motto «Rays of Knowledge» (Strahlen des Wissens). Das visuelle Leitbild des Kongresses, inspiriert von der Göttin Athena und ihrer Eule, war dabei mehr als eine grafische Gestaltung. Es symbolisierte die zentrale Idee der Radiologie: das Unsichtbare sichtbar zu machen. Athena, deren transparenter Arm die darunterliegenden Knochenstrukturen enthüllt, verweist auf die diagnostische Kraft der Bildgebung. Die Eule, die sich mit scharfem Blick durch die Dunkelheit bewegt, steht sinnbildlich für uns Fachpersonen, wenn wir ein Bild interpretieren. Der «Strahl» verbindet dabei zwei Ebenen: einerseits den physikalischen Strahl der Bildgebung, andererseits den metaphorischen Strahl des Wissens, der neue Erkenntnisse ermöglicht. Das Motto erinnerte während des gesamten Kongresses daran, dass technologische Innovation allein nicht genügt – entscheidend ist das Wissen und die Kompetenz, diese Technologien verantwortungsvoll und patient:innenzentriert einzusetzen.
Schweizer Präsenz und Themen der Zukunft
In diesem Jahr war die Schweizer Delegation von besonderem Stolz erfüllt. Der Kongress stand auch im Zeichen von «ESR meets Switzerland», da die Kongresspräsidentin Prof. Minerva Becker aus der Schweiz stammt. Dadurch entstanden mehrere Sessions, in denen Radiologiefachpersonen aus der Schweiz ihre Perspektiven und Innovationen auf die europäische Bühne bringen konnten. Dazu gehört «Future development for radiographers: a Swiss perspective». Gemeinsam repräsentierten wir die drei Sprachregionen der Schweiz (Deutschschweiz, Romandie und Tessin). Trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede zeigte sich dabei eindrücklich, wie geschlossen, innovativ und zukunftsgerichtet der Beruf der Radiologiefachpersonen in der Schweiz ist.
Aus Sicht der Radiologiefachpersonen ist der ECR 2026 zugleich der offizielle Kongress der European Federation of Radiographer Societies (EFRS). Besonders beeindruckend waren die Worte von Patrizia Cornacchione, Präsidentin der EFRS. Sie zitierte Leonardo da Vinci: «Lerne zu sehen. Erkenne, dass alles verbunden ist.» Diese zeitlose Einsicht spiegelt unsere berufliche Entwicklung perfekt wider.
Wir sind nicht mehr nur Ausführende von Protokollen, sondern stehen am Schnittpunkt von Licht und Lernen. Wir verwandeln unsichtbare Signale in Erkenntnis und machen Technologie zum Teil unseres Alltags. Cornacchione erinnerte daran, dass Wissen nicht auf individuelle Expertise beschränkt ist, sondern ein lebendiges Netzwerk ist, das Disziplinen und Kulturen verbindet.
Die speziell uns gewidmeten Sessions ermöglichten neue Horizonte: die Integration künstlicher Intelligenz in den klinischen Alltag, die ökologische Nachhaltigkeit in der medizinischen Bildgebung und die wachsende Führungsrolle der Radiologiefachpersonen in den Kliniken und in der Forschung.
Künstliche Intelligenz im Fokus
Das wissenschaftliche Programm war äusserst umfangreich und spiegelte die neuesten Bildungstrends eindrucksvoll wider. Die künstliche Intelligenz war dabei die unbestrittene Protagonistin. Das In Focus-Programm «The Art of AI in Clinical Practice» widmete sich ganz diesem Thema. Es ging nicht nur um Algorithmen, sondern auch um ethische Fragen, Bias und darum, wie KI das Screening demokratisieren kann. Neue, innovative Formate wurden eingeführt, etwa die Sessions «How We Do It», die den Frontalvortrag durch einen Austausch basierend auf echter klinischer Erfahrung ersetzten, sowie auch «Subspecialties on Stage». Auch die Industrie zeigte sich äusserst präsent: Die technische Ausstellung war dynamisch, unter anderem mit dem «House of FUJIFILM» und anderen Ständen, die immersive Workshops anboten. Für uns Radiologiefachpersonen ist es essenziell, die neue Hardware und Software live zu sehen, um zu verstehen, wie sich unsere praktische Arbeit in den kommenden Jahren verändern wird.
Auch der menschliche und soziale Aspekt, der für den Aufbau einer starken Gemeinschaft grundlegend ist, kam nicht zu kurz. Das Programm bot vielfältige Networking-Möglichkeiten – vom Radiographers’ Evening, der den Radiologiefachpersonen gewidmet war, bis hin zur grossen Abschlussfeier im Hofburg-Palast.

Zusammenfassend war der ECR 2026 weit mehr als eine Reihe von Konferenzen: Es war eine Feier unserer beruflichen Identität. Als Präsident der SVMTR nehme ich nicht nur technische Updates mit nach Hause, sondern vor allem das Bewusstsein, dass unsere Stärke in der Verbindung liegt. Wie uns Leonardo da Vinci durch die Worte der EFRS-Präsidentin erinnerte, bedeutet Lernen, zu sehen und zu verstehen, wie alles miteinander verbunden ist. Radiologiefachpersonen haben dabei einmal mehr ihre zentrale Rolle im patient:innenzentrierten Ansatz unterstrichen.
Wir treffen uns also nächstes Jahr wieder – mit der Entschlossenheit, diese Rays of Knowledge weiterhin zum Wohl unserer Patient:innen und für die Zukunft unseres Berufs leuchten zu lassen.
Quelle Vorschaubild: © ESR
Kontakt:
Marco Budin
Präsident SVMTR
Leitender Radiologiefachmann
Ospedale Regionale di Bellinzona e Valli, Bellinzona – EOC
Via Athos Gallino 12
6500 Bellinzona
marco.budin@eoc.ch
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